Wie ein Wandertag zu meinem Lehrer wurde!

 

 

Vor ein paar Tagen lud mich eine Freundin spontan zum Wandern ein. Ich war gerade erst vor ein paar Tage aus der Quarantäne entlassen worden, fühlte mich jedoch gut genug, um ihr zuzusagen. Da ich mich mit dem Essen zurzeit gut zurück halten kann, habe ich keinen Hunger für ein Frühstück verspürt, was im Nachhinein ein blöder Fehler war.

 

Wir starteten in der Nähe des Lausturms in Bad Vöslau und der Weg führte sofort steil bergauf durch den Wald. Ich hatte glücklicherweise an meine Nordic-Walking-Stöcke, die mir hier behilflich waren, gedacht. Doch schon nach kurzer Zeit musste ich eine Pause einlegen. Mir war zwar klar, dass ich untrainiert war, doch so schlimm hätte ich mir nicht vorgestellt. Irgendwie stellte sich bei mir eine Kraftlosigkeit ein, was dazu führte, dass ich sogar Mühe hatte die Beine zu heben. Ich hatte zwar immer noch keinen Hunger, doch ich musste mir eingestehen, dass ich ohne Energielieferung nicht weiterkommen würde. Also legte ich eine von vielen weiteren Pausen ein, holte einen Apfel heraus und begann ihn mühsam zu essen. Darauf folgten dann noch eine Karotte und endlich das nahrhafte Brot mit Wurst und Käse. Das hätte ich gleich essen sollen.

 

Ich merkte, dass es mir etwas leichter fiel, den Weg fortzusetzen, aber auf meiner Höchstleistung war ich trotzdem nicht. An mir gingen ältere Menschen und Kinder vorbei und ich fühlte mich richtig mies. Meine Gedanken wurden düster und das tat sein Übriges. Ich sagte meiner Begleiterin, die eine professionelle Wanderin ist und mit mir daher meistens nur die einfachsten Strecken geht, mehrmals, sie möge voraus gehen, sie solle nicht auf mich warten, ich würde bald umdrehen, etc. Doch sie blieb bei mir und irgendwie hatte ich das Bedürfnis „zuverlässig“ zu sein.

 

Ich machte weiter kleine Pausen, wenn es gar nicht mehr anders ging. Aber ich änderte auch meine Gedanken. Mir kamen zwei meiner Affirmationen, die ich so gern an der Wand hängen habe, in den Sinn und ich beschloss, mich nur mehr auf diese beiden zu konzentrieren, während es stetig bergauf ging. Vor allem die letzten 20 Minuten, hinauf zum „Eisernen Tor“, bestanden aus einer steilen, gewundenen, mit Wurzeln und Steinen übersäten Strecke, bei deren Anblick mir erstmals schlecht wurde. „Das schaff ich nie und nimmer“, war meine erste Erkenntnis. Doch ich setzte weiter einen Fuß vor den anderen.

 

Meine Affirmationen lauteten: „Ich schaff das!“ und „Ich kann das!“ Diese spielte ich ununterbrochen in meinem Kopf auf und ab. Ich erinnerte mich außerdem an etwas aus meinem Pferdetraining: „Kleinschrittig vorarbeiten, bis man beim Ziel angelangt ist.“ Das brachte mich zum Lächeln. Und tatsächlich begann ich, mir max. 2 m vom Weg vor mir anzuschauen und nicht die gesamte Strecke, die ich noch vor mir hatte. Stattdessen drehte ich mich um und blickte auf den Abschnitt, den ich schon bewältigt hatte, zurück. Das machte mich stolz und motivierte mich, jeden einzelnen Schritt bewusst zu setzen. Und plötzlich hatte ich diesen für mich gewaltigen Berg hinter mich gebracht.

 

Ich konnte es kaum fassen, dass ich, obwohl ich mich schwach und untauglich fühlte, es geschafft hatte! Da prasselten die Glücksgefühle auf mich ein! Ich blickte voller Stolz den Hang hinunter! Beim „Eisernen Tor“ gab es für mich dann gleich zwei Suppen und einen großen Radler. Mental und körperlich gestärkt war der Rückweg dann kein Vergleich mehr.

 

Ich möchte dir durch diese Erfahrung 5 Punkte, die dir in deinem Leben weiterhelfen sollen, mitgeben:

 

  1. Fehler zu machen ist menschlich und gehört zum Leben dazu! Doch daraus lernst du, wie du es beim nächsten Mal besser machen kannst. Daher scheue dich nicht davor, Fehler zu machen und dazu zu stehen!
  2. Finde einen Begleiter, der dir zur Seite steht und dich motiviert, weiter zu machen.
  3. Wenn dir etwas zu gewaltig erscheint, setze dir bewusst kleine Schritte und schau dir nur die am nächsten gelegenen zwei oder drei an. Hin und wieder kannst du natürlich einen Blick auf das große Ganze werfen, doch nur um die Richtung nicht aus den Augen zu verlieren.
  4. Schaue lieber öfters zurück, also auf das, was du schon erreicht hast! Denn das motiviert dich und gibt dir Kraft für weitere Hürden!
  5. Hast du alle Schritte gemeistert und alle Hürden überwunden, wirst du voller Stolz auf dich sein, steigerst damit dein Selbstwertgefühl und bist gewappnet für zukünftige Herausforderungen, die sich immer leichter bewältigen lassen werden!