Legt sich ein Schatten um deine Gedanken...

 

 

Ich wollte heute eigentlich einen ganz anderen Beitrag verfassen. Doch dieses Thema fühlt sich gerade so richtig und wichtig für mich an und so möchte ich es dir unbedingt mitgeben. Es geht um Depressionen! Gleich eines vorneweg: Depressionen sind kein Tabu!

 

Ich gebe es immer noch nicht gern zu, denn es ist ein schwieriges Thema – für mich. Ich habe selbst seit vielen Jahren, vermutlich seit meiner Pubertät, mit Depressionen zu kämpfen und habe mich damit die meiste Zeit alleine rum geschlagen. Weil ich mich genierte…

 

Dabei geht es mehr als nur um schlechte Gefühle. Es ist ein Sammelsurium aus Müdigkeit, Schmerzen, negative Gedanken über mich und meine Umwelt. Ich schlafe zu wenig und wenn, dann brauche ich von erholsamem Schlaf gar nicht erst reden.

Ich bin leicht reizbar, rastlos und fühle mich oft allein gelassen. Essen ist Fluch und Segen zugleich. In meinem Fall immer das Falsche und zu viel davon. Entweder steigere ich mich in ein Interesse hinein oder verliere es plötzlich an allem und jedem.

In meinen Augen mache ich alles falsch, bin wertlos, habe keinen Platz in dieser Welt und habe das Gefühl, dass niemand mich versteht oder mir helfen kann. Ich weine wegen Nichts. Mein eigener Kopf, mein Gedankenkarussell, bildet den schlimmsten Ort und ich kann nicht davor weglaufen. Er ist mein persönlicher Folterknecht, der mich stets begleitet und den man nicht eben einfach so zum Schweigen bringen kann.

 

Ich habe diese psychische Diagnose angenommen, was natürlich auch nicht einfach so von heute auf morgen gegangen ist, sondern seine Zeit gedauert hat. Ich bin jedoch eine der Glücklichen, die keine dauerhafte Medikamentation mehr benötigen. Doch was das bedeutet, habe ich am eigenen Leib erfahren. Ich weiß, was es heißt eine psychotherapeutische Behandlung zu bekommen und wie sehr die Genesung vom jeweiligen Psychologen/Therapeuten/usw. abhängt, denn man muss sich schließlich auch verstehen und miteinander klar kommen können. Sonst vertraut man sich keinem Fremden an. Ich weiß, was es heißt enttäuscht zu werden, wenn man dem Falschen vertraut hat. So eine Therapeutensuche ist ein wahnsinnig schwieriges Unterfangen, was so gerne von Außenstehenden weggewischt wird mit „Na dann geh halt zum Psychologen!“ Doch wenn man jemanden gefunden hat, ist diese Person Gold wert. Es ist nicht das Gleiche, wie sich mal eben einer Freundin oder so anzuvertrauen. Ich persönlich wollte nie jemanden mit meinen Problemen belasten.

 

Tatsächlich konnte ich daraus etwas Positives für mich abgewinnen: Für mich war es ein Anlass, warum ich mich für Coachings, Persönlichkeitsentwicklung und dergleichen zu interessieren begann. Ein Antrieb, anderen zu helfen! Ja, ich sehe hier wirklich etwas Gutes in diesem schwarzen Moloch, der mich gern noch quält, wenn ihm danach ist. Doch ich schaffe es, Stärke daraus zu ziehen und schaue zurück, was ich damit schon alles erreicht habe!

 

Es ist also prinzipiell nichts, wofür ich mich schämen müsste. Ich habe mir das schließlich nicht ausgesucht und gesagt „Heureka, bitte einmal Depressionen für mich!“ Trotzdem schreibe ich erst jetzt darüber und jedes Wort zieht sich wie ein Kaugummi aus meiner Seele.

 

Was ist die Quintessenz aus dem Ganzen? Also was möchte ich dir mitgeben?

  1. Ich habe gelernt darüber zu sprechen.
  2. Ich bin nicht allein!
  3. Ich appelliere an dich, dir Hilfe zu holen!

 

Denn: Das Mutigste, das du jemals tun wirst, ist jemanden um Hilfe zu bitten!

 

Ich wünsche dir auf deinem Weg von ganzem Herzen alles Gute!

 

 

 

Ergänzend habe ich für Betroffene und ihre Angehörigen ein paar Telefon-Hilfe-Nummern notiert, die man gerne weitergeben soll.

 

Telefonseelsorge

Täglich 0-24 Uhr

Tel 142

Onlineberatung: www.telefonseelsorge.at

 

Krisentelefon PSD Wien

Täglich 0-24 Uhr

Tel 01/313 30

 

Frauen-Helpline

Täglich 0-24 Uhr

Tel 0800 222 555

 

Ö3 Kummernummer

Täglich 16-24 Uhr

Tel 116 123